In Verbündung mit Milad Tabesch – „Das Europa von Morgen“

Shownotes

In dieser Folge von „In Verbündung“ sprechen Helene und Kai mit Milad Tabesch, politischem Bildner aus Bochum, über Europa, Zugehörigkeit und Bildungsarbeit im Ruhrgebiet. Milad arbeitet mit seinem Team an Schulen und führt Workshops zu Europa, Demokratie und Identität durch – vor allem mit Jugendlichen, die in politischen oder europäischen Debatten oft nicht repräsentiert sind.

Im Gespräch geht es um Milads Erfahrungen aus seiner Arbeit an Schulen, um die Idee „Europa“, also die Idee von universellen Menschenrechten und Chancengleichheit. Und um die Frage, wie Dialog gelingen kann, ohne zu belehren. Milad beschreibt, warum Zuhören und das Ernstnehmen von Lebensrealitäten zentrale Voraussetzungen für seine Arbeit sind.

Gemeinsam ordnen sie diese Perspektiven in das Überthema des Podcasts ein: Allyship. Verbündung bedeutet hier, Bildungsräume zu teilen, Machtverhältnisse zu reflektieren und Gleichberechtigung nicht abstrakt, sondern konkret vor Ort mitzudenken – im Klassenzimmer, im Ruhrpott, im Alltag.

Transkript anzeigen

00:00:05: Hallo, ich bin Helene, Mitbegründerin und Co-Geschäftsführerin von fairshare of women leaders.

00:00:12: Und ich bin Kai Viehhof, Impact Philanthrop und Sozialunternehmer.

00:00:17: Zusammen starten wir den Podcast in Verbindung.

00:00:21: Rund um die Themen Geschlechtergerechtigkeit, die Rolle von Männern und Allianzen für den Wandel.

00:00:26: Gemeinsam werden wir mit Gästen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft diskutieren,

00:00:31: wie wir gemeinsam Geschlechtergerechtigkeit erreichen können, in Verbindung.

00:00:39: Herzlich willkommen zu unserer neuen Folge des Podcasts in Verbindung, dem Podcast über Geschlechtergerechtigkeit, Geschlechteridentitäten und wie wir über die Identitäten hinweg gemeinsam Mehrgerechtigkeit erreichen können zwischen männlich gelesen Person und weiblich gelesen Person und darüber hinaus.

00:01:00: Und ich freue mich, dass ich hier heute digital wieder zusammenkomme mit meinem Chorus Kai.

00:01:07: Hallo Kai.

00:01:08: Hallo Helene, ja.

00:01:09: Danke für die Einleitung und dann leite ich direkt auch gerne über zu unserem heutigen Gast.

00:01:16: Ein Mensch, der mich immer wieder sehr beeindruckt.

00:01:19: Das ist Milad Tabesh.

00:01:22: Ich hoffe, ich habe jetzt auch alles wirklich korrekt betont, denn eigentlich spreche ich dich nur mit Vornamen an.

00:01:30: Ja, richtig.

00:01:31: Sehr schön.

00:01:31: Ja, und vielleicht magst du dich und deine Arbeit mal vorstellen, dann kennt dich ja wahrscheinlich noch nicht jeder, der zuhört.

00:01:42: Ja, sehr gerne.

00:01:43: Vielen Dank, Lieber Kai.

00:01:44: und hallo liebe Lilene, schön, euch kennenzulernen und danke für die Einladung.

00:01:49: Mein Name ist Milat Tabisch.

00:01:50: Ich bin Kind des Ruhrpots oder Kind des Ruhrgebietes.

00:01:53: Ich bin hier in den Buchen geboren und als Gastro-Kind aufgewachsen in Buchen.

00:02:00: In der Gastronomie, mal das Papas aufzuwachsen, war für mich so ein bisschen die School of Life und wahrscheinlich auch der Grund, warum ich heute das mache, was ich mache.

00:02:10: So eine Pizzeria in einem Buchen mal Stadtteil ist.

00:02:13: Ja, der beste Weg, um mit dem Querstadt der Gesellschaft jeden Tag in Berührung zu kommen.

00:02:19: Ich bin heute, nach meinem Studium habe ich dann die Organisation Roport für Europa gegründet und auch heute noch beschäftigt mich Roport für Europa.

00:02:27: Ich leite die Organisation oder habe sie gegründet und leite sie jetzt mit meiner Kollegin Leonie zusammen und wir versuchen im Ruhrgebiet einen Ort zu schaffen oder eine Organisation oder eine Plattform zu sein.

00:02:42: für die ich mich, oder nach der ich mich, als ich, achtzehn, neunzehn, zwanzig war, ziemlich gesehen habe.

00:02:47: Ein überparteilicher Ort, um über große Fragen, die einem Sorgen bereiten oder sogar Angst machen, diskutieren zu können, in sicherer und vertrauter Peer-Ebene.

00:03:02: Und diesen Ort zu bauen, das ist so der tägliche, die tägliche Beschäftigung.

00:03:08: Und es macht einen großen Spaß seit zweieinhalb Jahren Teil dieser Reise sein zu dürfen.

00:03:13: Was ich auch sehr bemerkenswert finde, ist, deine Eltern sind ja in den neunziger Jahren, wenn ich das im Kopf habe, aus Afghanistan nach Deutschland, also boh rumgekommen.

00:03:25: Und aus dieser Perspektive heraus betrachtest du ja auch immer Europa.

00:03:30: Und hast du auch mir dann irgendwo nochmal so... die Augen geöffnet, wirklich auch zu wertschätzen, was für ein Riesengeschenk das ist, das wir Europa haben.

00:03:41: Und gerade auch im Moment, wo man feststellt, dass die USA keine Unterstützung mehr sind, was auch Mächte, Großmächte wie Russland und China durchaus bedrohlich wirken, finde ich das auch nochmal ein ganz wichtiges Ding, sich darüber bewusst zu werden.

00:04:02: Hast du da nochmal?

00:04:04: Vielleicht eine Situation, die dich da besonders...

00:04:08: Ja.

00:04:08: Also die da besonders prägend war, das so zu betrachten.

00:04:12: Ja, ich erinnere mich an noch ziemlich naive Fragen, die ich meinen Papa und meiner Mama gestellt habe, als sie, ja, als das am Frühstückstisch mal zu Wort kam, die ganze persönliche Geschichte, die Flucht und dann das Ankommen Deutschland.

00:04:30: Eine Frage lautet so immer, Papa, Mama, warum, worum?

00:04:34: Ihr hattet... Die Wahl von allen schönen Ecken Eurofas.

00:04:39: Ich war vor kurzem da.

00:04:41: Warum wurde es nicht Malaga?

00:04:42: Aber warum nicht das wunderschöne Hamburg oder die wunderschöne Altstadt von Osnabrück?

00:04:48: Warum Boko?

00:04:50: Und die Antwort war zwar nicht zufriedenstellend, aber sie machte Sinn.

00:04:55: Der einzige Verwandte.

00:04:57: Die einzige entfernte, bekannte Person vom Papa lebt halt in Bochum.

00:05:02: Und man geht dorthin, gerade wenn man total neu ist, die Sprache nicht kann und einfach nur schnell ankommen möchte, dorthin, wo man auf ein schnelles Ankommen relativ leicht realisieren kann.

00:05:13: Und dann wurde es Deutschland.

00:05:16: Ja, und die Frage von dir, Kai, zählt ja auch so ein bisschen auf warum Europa und warum.

00:05:22: ist jetzt jemand mit einem afghanischen Migrationsbackground, ein Verfechter der europäischen Idee.

00:05:29: Das sage ich immer sehr gerne, dass es in erster Linie mir um die europäische Idee geht und mich so sehr um die Europäische Union, wie wir sie heute in Gestalt von Brüssel und Strasburg haben.

00:05:40: Denn daran habe ich auch Kritikpunkte.

00:05:43: Aber die europäische Idee an sich, die muss unbedingt eine Idee sein für die jede und jeder erst recht vulnerable Person oder Diskriminierungserfahrung oder diskriminierte Person in der Gesellschaft stark machen müsste, wenn wir uns anschauen, wer Europa gerade zerstören möchte, wo es ein paar Kandidaten genannt.

00:06:03: Auf der Welt würde ich noch hinzufügen, es gibt noch eine ganze Menge Kandidaten in unserem Land, die nicht viel damit anfangen können, was meine Grund war, weswegen meine Eltern nach Europa gekommen sind.

00:06:15: Demokratie.

00:06:17: freie Meinungsäußerung, die Würde des Menschen, die garantierte Würde, dass man als Mensch angesehen wird, was Versprechen sich hier ein Leben aufzubauen und eben auch für die Nachkommen der Generation, für Tochter und Sohn auch ein Leben aufbauen zu können oder dass sie sich zumindest ein Leben hier aufbauen können, unabhängig davon, welche Haarfarbe sie haben, ob sie Millard oder Max heißen.

00:06:39: Also all diese Fragen haben mal meine Eltern nach Europa gelockt oder Europa sozusagen.

00:06:46: angefunkelt.

00:06:47: Das

00:06:48: steht gerade total an der Chronistische, was es war, wieder auf dem Spiel, neben Trump und Putin auch von politischen Kräften in unserem Land.

00:06:58: Und deswegen, ein Kämpfen für die europäische Idee ist eben auch ein Kämpfen dafür für den Europa, für unseren Way of Life, für eine offene, tolerante Gesellschaft und... Deswegen sehe ich es quasi als nicht nice to have, sondern als Lebensversicherung oder als einen Kämpfen für die eigene Lebensversicherung.

00:07:19: Wenn ich an Afghanistan denke, dann meine ich auch mal gehört zu haben, dass bevor das Taliban-Regime dort die Macht übernommen hat, ist eigentlich auch im Hinblick auf Frauenrechte durchaus sehr fortschrittliches Land gewesen ist und das damit aber ein gigantischer Rückschlag.

00:07:40: gekommen ist.

00:07:41: Ich weiß nicht, ob ich das richtig wiedergebe.

00:07:44: Ja, absolut.

00:07:45: Die Taliban haben ja nicht einmal in der Geschichte das Land sozusagen übernommen, sondern zweimal.

00:07:51: Einmal in den neunziger Jahren haben sie die Macht ergriffen und jetzt kürzlich, in dem Jahr zwanzig, mit dem Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan erneut und damit die fragile Demokratie, die seinerzeit in Afghanistan aufgebaut worden ist, wieder zerstört.

00:08:09: Deswegen ist es so tragisch und meine Eltern sagen auch immer in diesem Land kommt der Fortschritt in eine Art oder mit einem Pendel daher.

00:08:17: Mal geht es in die eine Richtung und dann aber leider wieder in die andere Richtung.

00:08:23: Es ist aktuell eine der wahrscheinlich schlimmsten Phasen für junge Mädchen mit Blick auf das Verbot, auf Bildung, für Frauen.

00:08:33: Mit Blick auf Rechte, Meinungsfreiheit, Wahlrecht, all diese Sachen, die erkämpft worden sind, die freie Selbstentfaltung zumindest in den urbanen Gebieten Afghanistan, all das auf dem Rückschritt.

00:08:46: Und das ist so tragisch.

00:08:47: Und ich glaube, hätte man die Zeit zurückdrehen können, dann hätten glaube ich sehr viele auch in Europa vermutlich es anders gemacht.

00:08:56: Und das, was aufgebaut worden wäre, nochmal aus einer anderen Perspektive wertgeschätzt, jetzt aktuell.

00:09:02: Ja, wir haben Ich würde schon fast sagen Gott lobt, keine Verwandten dort, sonst würden wir uns noch mal viel stärker betroffen, aber auch allein aufgrund der Biografie und aufgrund der eigenen Kultur schaut man natürlich mit einem weinen Auge nach Afghanistan und mit einem hoffnungsvollen Auge auf das Nachbarland Iran, wo sich Menschen so mutig gerade auf die Straßen machen, trotz Sache, dass sie massakriert werden, erschossen werden von Schergen und von der Regierung ohne Prozess.

00:09:32: ermordet werden.

00:09:33: Also all das macht auf der anderen Seite Hoffnung, dass Menschen so vieles im Kauf nehmen, um eben für eine ähnliche Situation, Unterdrückung und Unfreiheit diese Sachen nicht mehr taten muss, entgegenzuschauen und zu sagen, nein, es wird jetzt Zeit für Veränderung.

00:09:51: Ich blicke damit mit großer Ehrfurcht und mit sehr viel Hoffnung hin und weiß gleichzeitig, dass wir unbedingt auf was machen müssen, da wo wir gerade sitzen, haben wir auch eine ganze Mail gemacht.

00:10:04: Die perfekte Brücke zu unserem Thema.

00:10:07: und ich würde auch kurz noch dazu sagen, wir nehmen Mitte Januar, im Jahr im Jahr im Jahr, was du gerade beschreibst, sind wirklich ganz aktuelle Dinge, die auf der Welt passieren, wo, glaube ich, auch ganz viel in unterschiedlichster Form ja Allyship gefragt ist.

00:10:25: So vieles, was du gesagt hast, wir kannten uns ja noch nicht, Milat, hat in mir schon ganz viele Fragen aufgewührt, was wir hier besprechen können über Macht, Geschlechtergerechtigkeit, Identität und wie Eli Schipp da eine Rolle spielen kann, paar dieser Dinge, die du angesprochen hast, wirklich zu verändern.

00:10:46: Und gerade in den Zeiten, in denen wir leben, die du auch gerade so eindrücklich hier schon eingebracht hast.

00:10:53: Was heißt denn dieses Konzept für dich, sowohl wie du es eher lebst oder vielleicht auch genau nicht erlebst, was du davon dir wünschen würdest, wie du deine Rolle in so einer Idee von Allyship siehst?

00:11:07: Ja, was ist da deine Definition oder dein Anspruch an diese Idee?

00:11:15: Ich würde nicht sagen, dass es ein Ort ist.

00:11:19: Mein Büro ist neben einer Kleingartenanlage, wie so ein Schrebergarten, den man erreicht und dann die Türe zumacht und sagt, ich bin angekommen, ich bin jetzt ein Li und damit ist der Prozess abgeschlossen.

00:11:32: und seht ihr hier Selfie, ich bin schon drin.

00:11:36: Sondern eher vermutlich so ein leicht schimmernder, flimmrig schimmernder Stern am Nachthimmel, an dem man sich jede Nacht neu orientieren.

00:11:45: muss oder gefragt ist, neu zu orientieren, already segeln auszubichten, neu den Kompass auszubichten, in welch das noch ergänzen kann, in Konkurrenz mit sehr viel hellen oder sehr laut funkelnden Sternen, die alle auch irgendwie vermeintliche Orientierung bieten wollen oder konkurrieren und ebenfalls Menschen vermeintliche Orientierung anbieten.

00:12:10: Also eine tägliche Aufgabe zur Reflexion und zum Neuausrichten und ganz konkret für meine Arbeit.

00:12:18: Ich meine, ich bin in der privilegierten Position, dass ich nicht da, wo ich arbeite, zu irgendeiner Anlaufstelle laufen muss.

00:12:28: Ich muss selbst die Anlaufstelle auf der einen Seite sein und gleichzeitig auch mit meinen Kolleginnen und Kollegen und in unserem Fall oder in meinem Fall nur Kolleginnen immer wieder überlegen und reflektieren.

00:12:39: Es sind wir sind unsere Sägel genauso, wie wir sie uns wünschen, ausgerichtet, sind wir auf dem richtigen Pfad oder braucht es hier und da ein Nachjustieren.

00:12:51: Denn wenn wir sozusagen von uns aus, liebe Gelene, sagen, wir wollen für gewisse Werte, Stichwort europäische Werte, Demokratie und Jugend eine Orientierung bieten, dann müssen wir erstmal nach innen quasi diese Orientierung und dieses werte Korsett vorleben, damit man es auch authentisch nach außen in den, zum Beispiel, Schulkassen ebenfalls vorleben kann.

00:13:13: Und wie versuchst du das in diesem täglichen Bild?

00:13:19: Mir gefällt es total, weil ich finde auch, das ist nichts, wo wir jemals fertig sind, sondern ein fortschreitender Prozess, wo wir vielleicht sogar mal nicht mal irgendwie das Gefühl haben, wir stehen im Dunkeln.

00:13:31: Aber vielleicht kannst du ein bisschen erzählen, wo du dich da gerade verortest und was vielleicht schon hinter dir liegt und wie du diesen täglichen Anspruch für dich in deiner Arbeitsumgebung oder auch wo du auch immer hast dir begegnet, lebst.

00:13:48: Und zum Beispiel hast du ja erzählt, ihr seid auch in einer Co-Geschäftsführung.

00:13:53: Ich auch.

00:13:53: Deshalb spielt es ja auch da eine Rolle.

00:13:56: Und dann auch, wenn da verschiedene Geschlechteridentitäten vertreten sind.

00:14:00: Also hast du da ein paar Anheizpunkte von deinem Weg und deinem täglichen Tun, diesen Stern am Himmel zu folgen, um jetzt mal ein bisschen rucktrabend hier dein Bild aufzunehmen.

00:14:15: Ich glaube, man muss es unterteilen und auf der einen Seite natürlich die Arbeit, die wir nach außen verkörpern.

00:14:21: Stichwort Räume schaffen für Jugendliche, Ort des Austausches zu sein, Fragen, die uns Jugendliche beschäftigen.

00:14:29: wenn wir sie zur Debatte machen, die große Frage, wie wir das machen und einen Safer Space aufzubauen.

00:14:35: Das ist natürlich das eine, aber das andere ist ganz konkret am Arbeits- oder im Arbeitsalltag im Team, dass man sich gegenseitig feedbackt, dass man gegenseitig und miteinander reflektiert, dass man regelmäßiges Reflektieren hat, dass man von sich aus auch oder dass ich von mir aus auch immer wieder, wo ich mir unsicher bin, Punkte auch aussprechen und sage hey Leute ich weiß nicht weiter vielleicht könnt ihr mal mitdenken.

00:15:03: Es ist glaube ich ein Vorteil, dass wir alle jung sind und in unseren zwanzigern, ich bin mit neunundzwanzig unser Methusalim schon in der Organisation, aber dieses offene Aussprechen und dieses ja laute nachdenken, das ist das eine.

00:15:19: und wenn wir Feedbacken und ich meine es gibt reichlich Feedback Du kannst dir gar nicht vorstellen, ob Schuhworkshop oder ob Teamtag oder ein Gesprächsformat.

00:15:29: Es passieren so viele Sachen und vielleicht passieren ein paar Sachen nicht so, wie man sie sich gewünscht hat.

00:15:37: Du bist wahrscheinlich,

00:15:39: oder?

00:15:40: oder als Mensch bei der Ansprache oder in dieser Situation vor dem Publikum oder im Backstage oder in der Nachbereitung beim Aufräumen oder in der Art und Weise, wie wir zum Beispiel unsere Nachhaltigkeit wahren wollen, ist mit das oder das oder in der Kehrarbeit oder in der unsichtbaren Kehrarbeit aufgefallen.

00:15:59: Ja, dass man das nicht als Angriff oder als Stich wertet oder als eine persönliche Seite hieb, sondern dass man das... als eine Botschaft registriert, hey, ich mag es mit dir zusammenzuarbeiten und ich möchte gerne, dass wir weiter und besser werden.

00:16:18: Und deswegen spreche ich das an und wir wollen ja etwas nach außen verkörpern.

00:16:22: Deswegen erst recht müssen wir es innerlich feinjustieren.

00:16:25: Also kein irgendwie alleiniges Krübeln, um den oder nach dem richtigen Weg, sondern ein kollektives oder ein kollektives Boxenstopp machen, weil wir mit sehr viel Geschwindigkeit unsere Sachen vorantreiben wollen, aber immer wieder diese Boxenstopps, diese ehrlichen Boxenstopps zu machen.

00:16:45: Das ist, glaube ich, ein Rezept von vielen, um es irgendwie hinzubekommen.

00:16:52: Du sagtest gerade teamseitig, jetzt würden dir nur Frauen gegenüber stehen oder weiblich gelesene Personen, hat sich das richtig verstanden?

00:17:03: Genau also in unserem Core Team.

00:17:05: wir unterscheiden bei Rupert für Rupert zwischen Core Team und Voluntia Team und das Core Team den täglichen Projektmanagement, Veranstaltungsmanagement, Workshop Koordination mit Lehrkräften, all diese Arbeit.

00:17:21: und hier sind wir mittlerweile mit Sarah, Chiara, Julia, Leonie, Mir und Selvi zu sechst.

00:17:28: und es hat sich so entwickelt.

00:17:30: Lieber Kai und irgendwann waren wir dann sechs und haben festgestellt, oh, ja, ich bin der einzige männlich gelesene Teilnehmer oder Mitglied in der Imkor-Team, aber unser Voluntierteam aus über zwanzig jungen Menschen aus dem Ruhrgebiet ist da anders natürlich und ein bisschen, wie soll es, ja fast schon, vielfältiger aufgestellt.

00:17:53: Oder wir sind da zumindest, wir haben da mehr Jungs auch in den Reihen der Voluntiers.

00:17:58: Wobei, vielleicht erst noch, wenn ich das zufügen darf, Ehrenamt, Jugendarbeit, dort Jungs für zu begeistern, mitzumachen, mehr Entscheidungs-, nein, Überzeugungsarbeit braucht und auf mehr Outreach als an legitem Mädchen und Frauen zu tun.

00:18:19: Das ist mir aufgefallen.

00:18:21: Ich weiß nicht, ob das etwas ist, was ich in anderen.

00:18:24: Engagement, Ebenen und in anderen Regionen in Deutschland bestätigt.

00:18:28: Aber bei mir in der europapolitischen und jugendpolitischen Arbeit ist mir das aufgefallen.

00:18:34: Und das ist doch ein Punkt, den ich noch eher genau dich einfach noch teilen wollte.

00:18:38: Ich weiß nicht, ob jeder das auch geht, aber genau.

00:18:41: Ja, also hier auch jetzt nochmal klar der Aufruf für alle männlich gelesenen Personen, die zuhören.

00:18:47: Ja, das gehört.

00:18:49: Wir sind vielleicht etwas unterrepräsentiert.

00:18:53: ohne dass wir jetzt genaue Zahlen hätten.

00:18:55: Aber das ist ja schon mal ein wichtiger Erfahrungsbericht.

00:19:00: Absolut.

00:19:00: Vielleicht hängt es so ein bisschen damit zusammen, was eine solche Aufgabe oder so eine Tätigkeit mit sich bringt.

00:19:07: Es braucht eine ganze Reihe von Softskills, da man in eine Schulklasse reingeht und über diese Themen sprechen möchte.

00:19:13: Und oft sind sich vielleicht einige Menschen und vielleicht sind sich vielleicht junge Frauen sicherer.

00:19:20: Wenn es darum geht, ja, das traue ich mir zu.

00:19:23: Ich kann mit gewissen Softskills, mit emotionaler Intelligenz, mit der Empathie, mit mich hineinversetzen in mein Gegenüber deutlich entspannter umgehen als vielleicht mancher Junge, der das vielleicht als Überforderung oder als jenseits der Komfortzone betrachtet.

00:19:39: Aber wie gesagt, wir haben keine Zahlen, das ist jetzt nur ein Mutmaßen.

00:19:45: eine Beobachtung.

00:19:46: Ich

00:19:46: finde es wirklich spannend, weil es ja ein bisschen so ein paar Stereotypen widerspricht.

00:19:51: Also erstens gibt es ja sogar Studien, die zeigen, Jungs und Männer trauen sich eigentlich immer mehr zu, Mädchen weniger und dass auch Frauen und Mädchen weniger Kompetenzen zugesprochen werden von außen.

00:20:06: Als Jungs und Männern.

00:20:07: insofern finde ich das eigentlich eine ganz interessante Beobachtung, die oder Erlebnisse, keine Beobachtung, sondern Teil deiner täglichen Arbeit, was du da siehst und erlebst und würde dich auch gern fragen, ob ihr daran versucht, damit versucht, aktiv umzugehen und zu überlegen, was ihr da von eurer Seite vielleicht machen könnt, um alle geschlechte Identitäten anzusprechen und auch ganz konkret, wie es dir geht, als einzige, wenn nicht gelesene Person im Team von Frauen und was das vielleicht auch ... in eurer Team-Dynamik und Macht-Dynamik, ob das da eine Rolle spielt und was du da erlebst?

00:20:50: Nun ja, ich glaube, wir versuchen demantaktiv so ein bisschen entgegenzuarbeiten, liebe Helene, indem wir versuchen, eine große Lücke zu schließen und zwar die Lücke nach alternativen männlichen Vorbildern und ganz gezielt Trainer und Trainerinnen immer im Tandem und im Idealen Fall auch Trainer und Trainerinnen in die Schulklassen zu schicken und diese alternativen Vorbilder anzubieten, jungen Menschen, sei es jetzt in der Schulklasse oder eben auch bei unseren Events.

00:21:25: Man muss sich vorgeben oder vor Augen führen, es kann in vielen Familien wirklich so sein, dass Eltern, Papa, Tag und Nacht arbeiten und im Freundeskreis, im kleinen Freundeskreis nur der eine Typ Mann vorgelegt wird.

00:21:42: Und wenn man das Handy zückt und auf Social Media unterwegs ist, durch die entsprechenden Algorithmen auch nur der eine Typ Mann wie ein Mann zu sein hat, wie er sich nach außen zu präsentieren hat, welche ideale Erverkörpern muss, vorbeschlagen, jungen Männern angeboten werden.

00:21:59: Und da reinzugehen.

00:22:01: ist natürlich extrem schwierig.

00:22:02: Mit den Algorithmen kann man gar nicht ankämpfen.

00:22:05: Das ist gar nicht in unserer Macht, aber man kann sogenannte Dritte Orte schaffen.

00:22:10: Orte, an denen Begegnungen passieren, an denen Leute, der Soziologe Reinhold Manthe sagt, immer demokratisch irritiert werden können oder so ein bisschen Alternativen angeboten werden.

00:22:25: Und in solchen Safer Spaces mal Alternativen besprochen oder vorgelegt.

00:22:30: werden können.

00:22:31: Das hat also ganz viel auch mit der Region hier zum Beispiel, in der wir uns befinden, zu tun, starke Prägung von Armut, teilweise durch Freundeskreise und auch durch Social Media bestimmte Vorbilder, aber eben auch ist das prinzipiell oder ein grundlegendes Problem.

00:22:50: Kurzum oder nochmal zurückzukommen auf deine Frage Vorbilder zu schaffen.

00:22:55: Das können wir in persönlich aktiv anbieten.

00:22:58: Und wenn wir dann die Vorbilder haben, kleine Anekdote aus einem Workshop oder aus mehreren Workshops, dann kommen plötzlich Jungs auf einen Zoo nach dem Workshop und fragen, du kann ich eigentlich auch bei euch mitmachen.

00:23:11: Du könnt ihr mir, könnt ihr mir aus dem Kontakt weitergeben oder wie kann man bei euch eigentlich Teil von euch sein?

00:23:17: Also natürlich, indem man selbst irgendwie so eine Art Orientierung anbietet.

00:23:22: oder Leute sich mit einem Identifizieren können, vielleicht weil in einer Schulklasse die meisten auch Migrationshintergrund haben und man plötzlich da mit einem Migrationshintergrund in diese Schulklasse kommt und zu Beginn des Gesprächs kurz angesprochen Kai als Kind von afghanischen Eltern über die Bedeutung von Europa spricht, plötzlich eine Perspektive öffnet und stimmt so habe ich das ja gar nicht betrachtet dann auch einmal.

00:23:47: Also Vorbilder, nicht nur ein Vorbild, sondern viele Vorbilder in der eigenen Organisation.

00:23:53: Wir sind ja mittlerweile über zwanzig, sozusagen nach draußen zu schicken.

00:23:59: Das ist, glaube ich, die eine Aufgabe, neben den Räumen den Orten des Ausprobierens Alternativen zu bieten in ganz verschiedenen Cafés oder Orten, der zusammenkunft im Ruhrgebiet.

00:24:12: Und natürlich aufzuklären und ganz konkret Sachen zu besprechen in den Schulklassen auch.

00:24:18: Out zu korrollen.

00:24:20: Nicht als Trainerin jetzt, weil das nichts mit dem Thema zu tun hat, über die restlichen Sachen hinweg zu hören, sondern wenn man schon für einen kurzen Moment da ist, dann auch ruhig mal einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und zu sagen, hey du, so sehe ich das nicht.

00:24:33: Was verleitet dich eigentlich so etwas in Anlesenheit von uns oder von meiner Co-Trainerin oder von deinen Mitschülern und Mitschülern überhaupt zu sagen?

00:24:42: Und mal so ein bisschen erst auf die Spitze treiben zu lassen, weil wir eben Dort sind, um gewisse Fragen aufzuwerfen und vielleicht auch mal Denkprozesse anzuregen.

00:24:53: Bei der Person, die so etwas sagt, wahrscheinlich nicht.

00:24:56: Aber da sitzen ja zehn weitere, die vielleicht in die ähnliche Richtung denken, die man vielleicht abholen kann.

00:25:02: Solche Sachen, ich glaube, da äußert sich so unsere Arbeit und unser Beitrag in natürlich auch den Kampf für eine gerechtere Gesellschaft.

00:25:13: Ein Gedanke, der mir eben noch kam, so zum Ehrenamt und männlich gelesenen Personen trauen sich tastischerweise mehr zu, wo ich aber auch den Gedanken habe, dass Ehrenamt und so die Skills und Social Skills, die da gefragt sind, vielleicht auch mehr so in Richtung unbezahlte Kehrarbeit gehen, wo sich durch ebenso implementierten Rollenbilder wahrscheinlich eben spontan auch mehr weiblich gelesene Personen das zutrauen.

00:25:43: dass jetzt auch irgendwo wieder dafür spricht, dass es so in den Köpfen nach wie vor tief verwurzelt ist.

00:25:50: Du sprichst ein riesengroßes Thema an, lieber Kai.

00:25:53: Ganz oft wird erwartet von uns, von Jugendlichen.

00:25:56: Ach, mach doch mal noch ein bisschen Ehren an uns Arbeit.

00:25:59: Neben Familie, Schule, Hausaufgaben und dem ganz normalen Alltagswahnsinn.

00:26:05: Vielleicht sogar neben einem bestehenden Minijob, den man gezwungen ist, zu verfolgen.

00:26:10: Weil es irgendwie die finanzielle Lage... von einem fordert.

00:26:13: Das geht nicht, Menschen sehen das immer noch als ein nice to have, ist doch gut für deinen Lebenslauf.

00:26:18: Und was das, wohin das führt, ist ziemlich leicht zu beobachten.

00:26:22: Wir erleben, und können das auch jetzt sehen, das sind Zahlen übrigens, die das bestätigen, dass oft Menschen aus wohlbehüteten, aus guten Elternhäusern oder aus teilweise akademischen Backgrounds eher sich ehrenamtlich engagieren, weil sie es sich unter anderem leisten können.

00:26:40: weil da kein Minijob konkurriert und weil das Ehrenamt ja da besser zu vereinen ist.

00:26:46: Wir versuchen dem ein bisschen entgegenzuwirken.

00:26:48: Wir sind nicht die einzigen, einige machen das jetzt mittlerweile, dass man sagt, hey, es gibt Aufwärtsentschädigung für den konkreten Workshop, den du bietest, wie die ganze Vorbereitungsarbeit davor für die Vater hin, für das Nachbereiten, die Durchführung.

00:27:02: versuchen wir es zu entschädigen.

00:27:04: Und dann muss es nicht mehr konkurrieren mit der Schicht im Minijob, sondern dann kann es ruhig dazu kommen, dass man den Minijob auch mal vertagt und stattdessen diese Bildungsarbeit macht.

00:27:16: Wenn man sozusagen in die Schulkrassen das privilegierte oder den privilegierten Jungen aus der Akademiker-Familie, aus dem ganz anderen Stadtteil, der starrt damit den Problem und Sorgen, der Schulkasse überhaupt nichts zu tun hat oder überhaupt nichts mit anfangen kann schicken, ja dann viel Spaß da eine Brücke zu bauen zwischen Kits und Trainerinnen und Trainer.

00:27:40: Aber wenn wir es schaffen, eine junge Person in die Schulkasse zu schicken zu sein, hey ich bin nun ein paar Jahre älter, aber ich komme aus der Mitte aus euren Reihen, seht her, so hat sich mein Weg entwickelt.

00:27:51: oder das kann ich euch empfehlen oder das kann ich euch, davor kann ich euch nur mahnen.

00:27:56: Und dann kommt das viel eher und viel schneller an und es ist übrigens auch authentischer.

00:28:01: Ja, total wichtiger Aspekt und dem ja auch so gar nicht klar war, eben wie man an solcher Stelle ja eben große Bevölkerungsgruppen dann im Ehrenamt und Organisationen dann völlig, die völlig unterrepräsentiert sind, weil es eben nicht anders geht und man ja da auch wieder ja so die Durchdessigkeit begrenzt, dass ja Chancen nimmt dadurch.

00:28:30: Ja, da geht es total viel um diese Zugänge und Macht und wie Menschen, die gerade diese Privilegien und Zugänge haben, die bewusst zu öffnen, statt zu sagen, ja, die kommen halt nicht, dann halt nicht.

00:28:44: Aber du wolltest halt noch was sagen, Keilin, schuldige.

00:28:48: Nee, du hast das jetzt wunderbar ergänzt, ich hab noch so ein bisschen... darum gerungen, wie ich es formuliere.

00:28:53: Und du hast es jetzt noch mal wunderbar auf den Punkt gebracht.

00:28:56: Also vielen Dank dafür.

00:28:58: Na ja, das ist in der Geschlechtergerechtigkeitsarbeit gibt es ganz ähnliche Phänomene.

00:29:03: Also da gibt es die Arbeitsschriftung, hat diesen Thomas Kreislauf geprägt, dass halt Menschen sich immer wieder selbst anstellen, in dem Fall sehr gut situierte, akademisierte, weiße Männer, mittleren Alters, die auch umgleichen.

00:29:19: Lions Club oder Tennis Club sind und eben alle Thomas heißen.

00:29:23: Das gibt es auch in der Zivilgesellschaft, da sind es Christians, das haben wir mal erhoben.

00:29:29: Und das sind halt Sachen, die, wie du sagst, Milad, wenn es da keine anderen Vorbilder gibt und nicht konkrete Ideen und Ansätze und damit auch Unwirkwämlichkeit daran, was zu verändern und zu sagen, ja, ich bin vielleicht ein Thomas.

00:29:46: Aber ich nehme es nicht als selbstverständlich hin und sage dann, ja, mir ist halt nur ein Anscha-Thomas eingefallen, sondern Moment mal, wie nutze ich denn den Zugang, den ich habe, um das zu öffnen?

00:29:59: Und ich glaube, das klingt banaler als es ist, weil dann fängt wirklich es ja an, Strukturen zu verändern und eben Zugänge zu öffnen und die zu erweitern und damit ja für viele... haben dann das Gefühl, sie geben da was ab, dabei machen wir eigentlich was auf.

00:30:15: Und so klingt das für mich, was ihr da versucht, mir leid.

00:30:18: Und wenn wir über eben Zuschreibung Identitäten sprechen, ist damit schon in der Schule anzufangen, ist einfach unfassbar wichtig, weil sonst all die Strukturen, die du beschreibst, setzen sich sonst einfach fort.

00:30:32: So ist das.

00:30:33: Wir sind natürlich als kleine Grassroots-Organisationen, die vor Ort so ein bisschen wie die Feuerwehr versucht, hier und da Feuer zu löschen.

00:30:42: Wir haben natürlich einen Impact, aber der ist, wenn man so vergleicht, was man auf struktureller Ebene verändern könnte, ist das natürlich ein ganz anderer.

00:30:51: Und die Christians und die Thomasse, die brauchen wir, um sozusagen dort, wo andere Hebel zu betätigen sind, diese auch in die entsprechende Richtung zu verändern und diese Hebel in Kraft zu setzen, wenn man zum Beispiel jetzt an die Anerkennung von Ehrenamt oder an zum Beispiel finanzielle Mittel für Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter denkt, wenn wir an Pädagoginnen und Pädagogen denken, Lehrerinmangel oder eben auch zum Beispiel an die Wertschätzung unserer Schulgebäude.

00:31:23: Wenn man an all diese Punkte denkt, dann braucht es, dann kann kein Milad so etwas in die Wege ändern, sondern dann braucht es eben die geballte Kraft von politischer Ebene.

00:31:34: Und dort diese Leute zu adressieren, diese Leute immer wieder abzuholen, sie als potenzielle Ally zu sehen, als Ally anzusprechen, von ihnen Ally Ship einzufordern, ist natürlich auch eine Aufgabe, an die wir uns ebenfalls abarkern, aber eben auch als Gesamtgesellschaft oder als ein Bündnis von CDU-Gesellschaft eben auch adressiert werden müssen.

00:31:57: Denn sonst, ich meine, trist oder ein bisschen düster beschrieben, ist das ja ein Zirkel oder ein Räderwerk, was sich dann nie verändert.

00:32:07: Ganz oben auf Meta-Ebene.

00:32:09: wird immer weiter gespart und ganz unten prekär.

00:32:13: von irgendwie engagierten und hoch motivierten Jugendlichen wird versucht ein bisschen Feuer zu löschen und das lässt man das System schleifen und verlässt sich einfach auf ein paar Nobelgesinnte oder auf ein paar enthousiastische Menschen die extra bereit sind noch zusätzlich Arbeit zu verrichten, die dann aber ein paar Jahren Burnout haben.

00:32:33: Wir müssen stattdessen rauskommen aus dieser Logik.

00:32:36: Ich würde mich sehr freuen, wenn wir irgendwann mal unsere Schulworkshops beenden könnten und uns zurücklehnen, weil plötzlich das Land NRW festgestellt hat, das gehört in den Bildungsplan oder in die Schulpläne, in die Lehrpläne über Fragen rund um Männlichkeit, Einsamkeit, Armut, mentale Gesundheit, auch in der Schule zu sprechen und das große Thema Demokratie aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

00:33:03: Da sind wir noch nicht dran.

00:33:04: Deswegen müssen wir an beiden Fronten arbeiten und so ein bisschen auch wie Sisyphus erst mit Humor nehmen, dass wir eben diese Räderwerkarbeit machen müssen.

00:33:15: Das sprichst du jetzt gerade was an, wo ich total bei dir bin.

00:33:18: Ich meine, ich habe jetzt in meinem LinkedIn-Profil auch Impact-Filantrop stehen, weil man irgendwie immer so... für mich manchmal auch so eine Worthöse oder man schmeißt ja auch gerne so Worthöse um sich, aber dieses Thema Philanthropie finde ich auch mal ganz schwierig,

00:33:35: weil

00:33:36: jetzt gibt es ein krankes System und dann kommt irgendjemand daher und sagt, ja, das ist ein strukturellen Flächenbrand.

00:33:43: und dann kommt einer und sagt, ha, ich toller Mensch, ich kippe da jetzt mal ein einmalchen Wasser drauf aus irgendwelchen Erträgen, die aus Quellen stammen, die oftmals auch viel kaputt machen, aber dann hat man da so sein kleines Feigenblatt.

00:33:57: Und manchmal auch irgendwie so die Hoffnung, dass Philanthropie alles besser machen kann, bei manchen Menschen so groß ist oder die Erwartung, das muss daher kommen, dass man viel zu wenig dran setzt, das System zu verändern.

00:34:14: Und deshalb sehe ich auch Philanthropisches Wirken eigentlich als etwas, wo immer mitgedacht werden muss, wie schaffe ich es denn, dass sich das nicht nicht selbst erhält oder dass es das im besten Fall eben auch dann irgendwann nicht mehr braucht, was sich das System nachhaltig verändert hat.

00:34:33: Das finde ich ganz, ganz wichtigen Punkt.

00:34:36: Absolut.

00:34:37: Ich meine, ich vertröste mich selber, indem ich sage, klar, auf der einen Seite muss man die Politik in unserem Fall ganz oft die Landesregierung ansprechen und adressieren und versuchen gehört zu.

00:34:49: und sich zu verschaffen, am besten noch kollektiv.

00:34:51: Aber gleichzeitig braucht es ja auch den Kampf, junge Menschen für die Wahl zu begeistern und sie für das Mitmachen an der Demokratie im idealen Fall für das demokratische Abstimmen zu sensibilisieren.

00:35:05: Also sowohl dass auf einen Seite in Zukunft hoffentlich auch weiterhin demokratische Mehrheiten zustande kommen und gegenwärtig die aktuelle Situation, wie sie gerade ist, trotzdem ins Auge zu fassen.

00:35:18: Also und diesen Eimerwasser nicht als vergeutetes Wasser und in sozusagen Dampf wieder aufsteigend zu sehen, sondern in meinem Fall diesen Eimerwasser und jeden Tropfen als Bemühung überall in jedem einzelnen Kopf, in jeder einzelnen Biografie einen Anstopfer vielleicht geleistet zu haben, betrachtend.

00:35:42: Und dann in dem Fall, wenn wir einzelne Menschen versucht haben, irgendwie oder geschafft haben, anders zum Andersdenken anzuregen.

00:35:50: Ja, dann, man denke nur an den Multiplikationseffekt, die sind wieder in ihren Familien- und Freundeskreisen unterwegs und dann kommt Schritt für Schritt, aber dann würde er kommen und es ist immerhin besser, als nichts zu machen und tatenlos zu sehen.

00:36:05: Ja, deshalb bekomme ich mich jetzt auch hier nochmal dazu, dass ich großer Freund und auch finanzieller Unterstützer von Roport für Europa bin.

00:36:14: Weil, ja, genau, eben auch solche Ansätze und diese Gedanken eben, wie schaffen wir es, dass es das nicht mehr braucht.

00:36:23: Das ist eben extrem wichtig.

00:36:27: Ja, absolut.

00:36:27: Und was ich nochmal so spannend finde an dem, was du beschreibst, Mieleid, wie eigentlich dieser Bedarf an Allyship, wie so eine Leiter sich von durch die Strukturen idealerweise ziehen müsste, oder Leiter ist.

00:36:42: dann gleich wieder das Bild von unten und oben.

00:36:43: eher eben Idealerweise finden wir ein neues Bild, was weniger in unten und oben denkt, aber wie Allyship auf so viele verschiedene Art und so viele verschiedene Richtungen gelebt werden kann.

00:36:57: Also auch in dem, was du beschreibst, versuchst du das zu leben in deiner Arbeit und gleichzeitig brauchst und forderst du ganz viele Allyship von anderen ein.

00:37:08: Und das macht es auch einfach noch mal anders aus, als es so ein lineares Geben und Nehmen, sondern wir haben alle unseren Gestaltungsraum, in dem wir uns selbst anschauen können und beitragen können, was wir mit den Privilegien, die wir in bestimmten Räumen haben, erreichen können.

00:37:28: Und aber in anderen Räumen brauchen wir vielleicht wirklich eher andere, die dann

00:37:33: für uns

00:37:34: einstehen.

00:37:36: Dann würden wir anfangen, an den Stellschrauben der Strukturen vielleicht Veränderungen hervorzurufen.

00:37:44: Absolut.

00:37:45: Wie gesagt, an beiden oder an mehreren Fronten, es auf der einen Seite vorzuleben, weil man sich ja selbst auch sonst nicht in den Spiegel schauen kann, wenn man das von anderen verlangen möchte und dann darauf zu setzen, dass wir für eine für ein gesellschaftliches, wie soll ich sagen, wo?

00:38:04: da noch mal zurück auf den Stern, dass wir es schaffen.

00:38:07: Ich hoffe, kein Naturwissenschaftler hört uns jetzt zu, aber dass wir es schaffen.

00:38:15: Diese Möglichkeit haben wir, diesen flimmrigen, scheinenden Stern immer stärker leuchten zu lassen, sodass dann auf andere Menschen diesen Stern nicht mehr übersehen können und sich an ihn orientieren.

00:38:27: wollen, können oder müssen und plötzlich auch sehen, ja stimmt, um das zu erreichen brauche ich oder muss ich auf diese Person und auf diese Organisation zugehen, ihnen zuhören und ihre Arbeit teilweise unsichtbar, teilweise nicht sichtbar für einige Menschen honorieren oder sie multiplizieren indem ich sie skaliere oder ermöglichen ist zu skalieren, Knowledge Exchange schaffe, weil ich die Macht dafür habe.

00:38:55: Öfternetzungen vorantreiben.

00:38:56: Also all diese Sachen hängen nicht in unseren Händen, sondern in den Händen von anderen.

00:39:01: Wir sind auf den guten Willen dieser Menschen angewiesen.

00:39:06: Und wenn man sozusagen sie nicht daran erinnert oder wenn man nicht für eine Gesellschaft kämpft, in der es Allies gibt, ja dann sieht man, glaube ich, sehr gut auf anderen Flecken dieser Welt, was wozu es führen kann, wenn man nicht für... auch trotzdem, obwohl man nicht laut genug ist, für diese Sachen einsteht und andere Mehrheiten sehr schnell kurzen Prozess machen mit den Forderungen, die man hat.

00:39:34: Davor habe ich persönlich Angst, um ehrlich zu sein und solange es geht und solange man die Möglichkeit hat, muss man sozusagen dafür alles geben, damit man auch irgendwann nichts sagen kann.

00:39:46: Oder wenn man gefragt wird, was hast du eigentlich damals gemacht, ob man da nicht irgendwie sprachlos ist und in die Lehre schaut, sondern sagen kann, ich habe das und das und das gemacht, als damals noch demokratische Mehrheiten gab.

00:40:00: Und das ist ja eine Motivation, ich glaube, die alle bei uns mehr oder weniger teilen, in irgendeiner Art und Weise, neben der, ja, wie soll ich sagen, dem Enthusiasmus auch für eine mögliche Zukunft zu kämpfen, die so ein bisschen gerade entferner rückt, nämlich eine gerechte Zukunft und eben mit gewissen Werten behaftet, die ich vorhin genannt habe.

00:40:23: Ich finde es total berührend, weil mich das ja an so viele Gespräche erinnert, die ich gerade, und ich sage auch, wieder führen muss, wenn es um das Thema Gewichtigkeit für Frauen und Mädchen geht, wo halt gerade für menig gelesene Personen das gerade wieder so ein bisschen optional wird, ob uns das interessiert oder nicht.

00:40:45: Und ich... Auf einmal, und ich erlebe das wirklich als ein sehr schnellen Rückschritt, viele menigbliesende Personen, sich das gerade wieder überlegen, ist das für mich überhaupt relevant oder vor allem ganz viel Fragen haben, wie mache ich das?

00:41:00: Und da so einen kleinen Standpunkt von Tierzuhören finde ich einfach irgendwie tut der... an einem Tag wie heute Mitte Januar, twenty-sechsen, zwanzig, total gut.

00:41:12: Und gleichzeitig würde ich dich gern fragen, wofür wohnnimmst du da gerade die Kraft für her, das für dich so klar zu haben?

00:41:21: Und ja, wie können wir da mehr Leute mitziehen?

00:41:26: Weil ich glaube, für manche wird's gerade irgendwie, für manche wird's grad viel schwerer und bedrohlicher.

00:41:32: Und für andere wird's grad irgendwie auch alles wieder ein bisschen einfacher.

00:41:35: Weil ... Vieles ist auf einmal nicht mehr so, wird nicht mehr so an sich herangetragen und eingefordert.

00:41:43: Und du hast ja schon ein bisschen beschrieben, dass du da teilweise auch in der Mitte dieser Gewalten bist, woraus siehst du da deine Kraft?

00:41:54: Also ich ziehe die Kraft und ich glaube, das gilt für viele aus unserem Team, aus dem, was wir vor Ort realisieren.

00:42:01: Ich bin so happy, dass wir der große Teil unserer Arbeit offline ist.

00:42:06: Und wir natürlich ein bisschen Social Media müssen wir machen, um eben auch Zielgruppen jenseits der Schulklassen und jenseits der Begegnungsformate zu erreichen.

00:42:15: Aber die große Kraft, den großen Treibstoff, den Tanke, wenn wir Events organisieren, Begegnung schaffen, wenn Leute zusammenkommen, die ähnlich sorgen, teilen wie wir und sich plötzlich verbünden und solidarisch werden miteinander und sich vernetzen und sagen, hey, Das war so ein spannendes Thema.

00:42:34: Wir müssen den Ball aufgreifen und den Faden weiter spinnen.

00:42:38: Und wir müssen dieses oder jenes Thema weiterdenken.

00:42:42: Wir wollen jetzt in diesem Jahr ganz konkret das große Thema Einsamkeit und der giftige Einfluss von Einsamkeit auf Demokratie in den Vordergrund.

00:42:55: Rücken unserer Arbeit.

00:42:57: Wir werden also ab Februar in einem Monat ist es sobald einen neuen Workshop zur Einsamkeit veröffentlichen und Schulen mit diesem Thema ebenfalls besuchen.

00:43:08: Wir werden Einsamkeit, Armut, Männlichkeiten, mentale Gesundheit im Laufe dieses Jahres zum Anlass nehmen, um Events zu organisieren.

00:43:17: Ich bin sehr, sehr glücklich, dass wir Ich weiß gar nicht, ob ich das von sagen darf, aber von einem führenden Landespolitiker, die Schirmherrschaft bekommen und so nochmal mehr Spotlight für genau dieses Thema jetzt bekommen.

00:43:30: Weil Einsamkeit eben genau das ist, was viele Menschen, viele junge Menschen gerade extrem zu schaffen macht, liebe Helene.

00:43:39: Es ist ein Riesenthema unserer Generation und es ist stark durch die Pandemie beschleunigt worden und nach der Pandemie Gerade jetzt durch die ganzen Nachrichten, die sich überhäufen und überschlagen, plus das Doom-Scrollen, was ein und irgendwie immer wieder in seine Fange zieht, befeuert.

00:43:58: Und ich glaube, das muss das ja das Offline-Jahr werden.

00:44:03: Und wir müssen wieder das Analoge und das Offline und die realen Begegnungen, das reale, demokratische Irritieren, das Verbünden wieder in den Vordergrund des Jahres rücken.

00:44:13: Bringt nichts, nichts zu tun oder eben in Hoffnungslosigkeit zu erstarren.

00:44:18: Wir haben den Drive und den Enthusiasmus und wenn wir es gut maschen, dann stecken wir andere an, so wie in den letzten Jahren und das ist das Ziel.

00:44:26: Ein Ding, das ich schon öfter mal gehört habe, ist, dass auch oftmals bei Menschen, die eine Migrationsgeschichte haben, die Bereitschaft, so reaktionäre politische Kräfte zu wählen, echte Parteien zu wählen, durchaus auch groß ist und dass viele der Erzählungen Auch so aus Social Media, bei Menschen mit Migrationsgeschichte verfangen.

00:44:50: Wie ist da dein Eindruck?

00:44:52: Prinzipiell ist man doch nicht nur, weil man Migrationshintergrund hat.

00:44:56: Immun gegen Propaganda, gegen Missinformation und Desinformation, gegen Sexismus, gegen all diese Männlichkeitsgeschichten und Narrative, die erzählt werden.

00:45:09: Insofern ist das genauso wie, keine Ahnung, wie... Max anfällig ist, ist auch Milat oder Murat anfällig in einer Schulklasse für genau diese Erzählungen.

00:45:21: Ich glaube, wichtig ist, dass man keine Gruppe in einen Topf wirft und per se sagt, du bist so und so von Natur aus, sondern dass man eben eine Anstrengung macht und schafft und es anspricht in den Schulklassen von Lehrer, von entsprechenden Personen, die das... authentisch debattieren, aber dass es Menschen gibt, die, ich habe das auch ab und zu in Schulklassen, lieber Kai, die entweder in der anonymen Fragerunde, man weiß aber ganz genau, von wem die Frage kommt, teilweise so tendenziöse oder in diese Richtung tendierende Fragen stellen.

00:46:01: Ja, weil sie einen Algorithmus haben, der sie vollumfänglich informiert und in ein vollumfängliches Wertekorsett und ein Orientierung, wie man das Leben zu Leben hat liefert.

00:46:12: Von rechten InfluencerInnen oder religiösen InfluencerInnen, die auch noch aus ihrer Lebensrealität kommen.

00:46:20: Also noch, das Problem sind nicht die Zielgruppen oder der Background, das Problem sind Algorithmen.

00:46:26: Und dann wären wir wieder bei Europa und Europas Möglichkeiten, dem einzudämmen.

00:46:34: oder eben so etwas vielleicht als Verhandlungsmasse preiszugeben.

00:46:38: Ich denke an den Digital Services Act, an den AI Act, dann muss Europa rote Linien, darum muss Europa meines Erachtens nach rote Linien ziehen, weil das fundamental gegen unser Werteverständnis verstößt.

00:46:50: Und so ein Tool wie GROC, ich bin froh, dass die Bundesregierung dagegen vorgehen möchte, Alles andere als das ist, was wir nach außen vergabt waren.

00:46:59: Und dass das aus den Staaten kommt, das macht mich traurig.

00:47:01: Weil ich hab selbst dort studiert und wir haben die feinlichen Staaten so lange als traditioneller Werte, Partner gesehen.

00:47:10: Und das können wir aktuell nicht.

00:47:12: Und das ist, ich bin jetzt wieder auf der Meta-Ebene.

00:47:15: Aber ich wollte nur sagen, Algorithmen, Social Media, all das spielt eine Rolle.

00:47:20: Weswegen dann diese Fragen in der anonymen Fragerunde kommen und dann... Es ist gar nicht so überraschend, dass der Fragesteller zum Beispiel auch eine Migrationsbiografie hat.

00:47:31: Ja, und dabei schneiden sich ja auch sehr viele Narrative, die antidemokratischen mit antifeministischen.

00:47:37: Also da steckt ja oft dann auch ein extrem frauenfeindliches Weltbild noch mit Etter drin.

00:47:45: Also da überschneiden sich ein paar sehr gefährliche antidemokratische Narrative mit dann, die mit einer extremen Frauenfeindlichkeit einhergehen und die eben genau diesen Narrativen und der vermeintlichen Einfachkeit, wenn wir wieder zu sogenannten traditionellen Rollenbildern zurückgehen würden, dann wäre unsere Welt ja wieder einfacher und in Ordnung ist.

00:48:10: Teil dieser vermeintlich einfachen Antworten, die einer, der um bei deinem Bild zu bleiben, die auch teilweise sehr hell leuchten als potenzielle Sterne, an denen wir uns orientieren könnten, weil sie unsere Welt so viel einfacher sortieren würden.

00:48:27: Geht ein Herr mit einer Queerfeindlichkeit, einem Frauenbild, was propagiert wird, dann gibt es eine Bewegung, die Thread Wives Bewegung, all das kommt zusammen und man bietet jungen Menschen, jungen Männern, jungen Frauen, irgend meistens jungen Männern eine Orientierung.

00:48:46: und das Problem... ist natürlich, dass der Content eben so ist, wie er ist, total antidemokratisch.

00:48:53: Aber wir sollten auch ein Auge darauf werfen, würde ich es hinzufügen, Gibberlin, dass wir auf diese Sehnsucht nach Orientierung, diese kollektive Verunsicherung oder sogar auch diese Zukunftsangst, die sich bei uns, Gen Z, Gen Alpha, breit gemacht hat, dass wir auch darauf eingehen.

00:49:13: Also offensichtlich gibt es ja dieses Bedürfnis.

00:49:17: Und zu Hause oder auf Schule bieten nicht mehr genug Leitplanken oder gar Orientierung.

00:49:24: Was müssen wir also machen?

00:49:26: Nicht tatenlos zuschauen, sondern versuchen jetzt alles daran zu setzen.

00:49:30: Eine diverse vielfältige Vorbilder, Orientierung, vielfältige Geschichten, positiver Geschichten.

00:49:37: Wo wollen wir als Gesellschaft hin?

00:49:40: Was für eine Zukunft wollen wir?

00:49:43: Nicht nur, was für eine schlimme Zukunft steht uns bevor.

00:49:47: Also positive Zukunftsbilder zu zeichnen, das wäre mal ganz gut in so einer Situation.

00:49:53: Und dann entkräftet man auch diese ganzen, diese ganzen Contents und diese ganzen Hats, diese ganze Hats und diese ganze antidemokratische Erzählungen.

00:50:04: Ja, und da, da, da, da habe ich wirklich gerade eine Sorge, weil mein Eindruck ist, dass in vielen der... Es gibt ja gerade zunehmend Ansätze, Demokratie stärken, Demokratie retten

00:50:18: etc.,

00:50:19: die das irgendwie nicht mitbedienen, sondern die von einer sehr homogenen und ja wieder aus einer sehr, ich finde schon aus einer sehr privilegierten, oftmals sehr weißen, sehr akademisierten Teil der Gesellschaft heraus, ihre Idee von Demokratie retten und stärken wollen.

00:50:39: und auf einmal, wie gesagt, Und ich glaube, was du beschreibst, klingt ähnlich.

00:50:44: Muss auch ich wiederactieren.

00:50:45: Sorry, dazu sollten vielleicht auch Frauen, Queer, Trans-Menschen etc.

00:50:51: gehören.

00:50:51: Und wenn wir jetzt über Demokratie sprechen, sollten wir über eine vielfältige Repräsentative.

00:50:58: und diverse Demokratie sprechen.

00:51:00: Und da habe ich gerade echt eine Sorge, dass das, und es ist schon oft bei sozialen Bewegungen passiert, dass das so gefühlt hinten ankommt.

00:51:08: Nie jetzt erst mal das große und dann gucken wir wieder auf das vermeintlich kleine, aber eigentlich geht es um unsere gesamte Gesellschaft.

00:51:15: Und ich glaube, diese Trennung in erst mal das eine, das dann das andere ist höchst gefährlich.

00:51:24: Weiß nicht, wie du das siehst und erlebst in deiner Arbeit.

00:51:29: Ähnliches könnte sein, erstmal Demokratie retten, dann kümmern wir uns wieder um Jugendliche.

00:51:35: Ich übertreibe jetzt mit Absicht ein bisschen und spitze zu.

00:51:38: Aber ich sehe da solche Tendenzen in der Zeit, die den Bemühungen in Demokratie zu erhalten oder sogar zu sagen, die erstmal sogar Wirtschaft.

00:51:47: Und dann haben wir ein Bild, auf dem nur Männer in den genau gleichsitzenden Anzügen sind, die jetzt dann unser Land retten.

00:51:55: Ich mache gerade Anführungsstriche hier auf dem Video und da ... Du heißt nicht, ja, erlebst du ähnliches?

00:52:03: Weil das ist wirklich eine sehr große Sorge, die ich gerade habe und die ich in meiner Arbeit mit Frauen und Mädchen und Geschlechtergerechtigkeit sehr stark beobachte.

00:52:13: Es geht sogar einen Schritt auch weiter, noch düster.

00:52:16: Oh Gott, wir müssen gleich nach irgendwas Positives finden, okay?

00:52:19: Aber jetzt machen wir es erst mal, jetzt gehen wir erst mal richtig rein.

00:52:24: Lieber Kehr, was wolltest du sagen?

00:52:25: Jetzt du scrollen wir ja immer so richtig.

00:52:27: Ja, was ich erlebe und was wir auch von anderen Organisationen rückgemeldet bekommen ist, dass die Mittel, die es vor einigen Jahren noch relativ leicht gab für Demokratiearbeit, für die Arbeit an der Gesellschaft, für das Schaffen von Austausch, Dialog, all diese Sachen, all diese Mittel jetzt fünfmal.

00:52:51: auf den Prüfstand gelegt werden und im besten Fall gekürzt oder komplett abgeschaffen werden und in einzelnen Fällen noch in von Bruchförderungen noch vergeben werden.

00:53:05: Damit, das meinte ich mit, es geht noch ein Schritt weiter.

00:53:07: Also was ich meine ist, die rhetorische Bagatellisierung oder die rhetorische Herabwürdigung von unserer Arbeit, von der Demokratiarbeit ist ja das eine.

00:53:21: Und der nächste Schritt wäre dann, Worten, Taten folgen zu lassen und auch Mittel zu kürzen, Mittel einzustampfen.

00:53:28: Und das passiert jetzt gerade während wir sprechen.

00:53:31: Mittel werden umgeweckt mit.

00:53:33: Man sagt, das braucht es nicht so sehr.

00:53:35: Stattdessen macht doch das und das und dann habt ihr alles in einem Topf irgendwie abgefrüchtet.

00:53:41: Und dann kommen wir in eine Situation, in der so etwas gar nicht mehr möglich ist bzw.

00:53:46: nur noch vereinzelt.

00:53:48: Und das ist genau das.

00:53:50: dumm Schritt, in dem wir uns befinden.

00:53:53: Und da muss man ganz laut werden.

00:53:55: Und so wie du es gesagt hast, es unterstreichen, das ist Standortfaktor für eine offene Gesellschaft, Standortfaktor für Europa, dass wir hier eine Gesellschaft haben, in der der Schwächste oder die Schwächsten genauso stark sind und die gleichen Rechte haben wie jede und jede Einzelne.

00:54:13: Und das macht dann in dem idealen Fall diese Gesellschaften aus.

00:54:18: Ja, also das ist tatsächlich erschreckend.

00:54:20: Wie gegen Zivilgesellschaft, gegen NGO, gerade massivst gehetzt wird und eben auch bei den oder weniger demokratischen Parteien, das auch immer mehr zum Thema wird.

00:54:34: Absolut.

00:54:36: Anstatt sich, also ich hätte... wäre ich, also ich oute mich ganz kurz, ich wäre sehr gerne für einen Tag mal an den Scheithebeln und würde sehr gerne mal dieses, also mich anschauen, was man eigentlich so als, weil oft schiebt man ja alles auf die Politik oder die da oben ab.

00:54:53: Ich würde mir gerne schlagen, was man denn wirklich verändern kann und inwiefern man, wenn man den Willen hat und den politischen Willen, was man dafür, ja.

00:55:04: Knöpfe gedrücken kann, damit wir die Warenprobleme unserer Gesellschaft, die Waren oder meines Erachtens nach die Waren oder die Missstände angreifen kann.

00:55:13: Denn so ein Land wie wir, drittgrößte Volkswirtschaft, der Welt hat Knöpfe und Schalter und hier und hat auch die finanziellen Mittel.

00:55:22: Siehe da, wenn es einmal notwendig ist, Sondervermögen, Bundeswehr, dann ist es möglich.

00:55:28: Man braucht aber, glaube ich, eine Prioritätensetzung.

00:55:30: und wenn man endlich mal Ich komme jetzt ins Träumen, aber du hast ja gesagt, wir müssen optimieren.

00:55:37: Ich wollte sagen, jetzt kommen wir aus der Dunkelheit ein bisschen in ihr, das Licht.

00:55:42: Träumen.

00:55:43: Wenn wir dann mal realisieren würden, wir sind nicht Saudi-Arabien und sitzen auf sehr viel Erdöl.

00:55:50: Unser Rohstoff für die Zukunft ist die nachvollende Generation.

00:55:54: Und nur die nachvollende Generation oder die Köpfe von morgen können dieses Land weiter prägen und weiter gestalten.

00:56:01: Ja, dann muss doch eigentlich, müssen doch riesige Sondervermögen für diese Generation an Land gezogen werden und endlich mal schnell eine Prioritätensetzung in Richtung junge Generation erfolgen von der Schule, von der Ausstattung der Schulen über die entsprechende über den entsprechenden Umgang, über die Zielgruppengerechte, Ansprache und das Carrying, all das mal sozusagen umrissen zu realisieren.

00:56:28: Und dieser nachvollen Generation die bestmögliche Ausgangslage zu bieten, um das versprechen, jede und jeder hat die gleiche Chance aufzusteigen in diesem Land oder abgeleitet von dem, was man sich vorgenommen hat, auch zu erreichen, wirklich einzulösen und nicht in einer Situation, in der wir jetzt sind, zu bleiben.

00:56:51: Denn jetzt ist aktuell Leben in einer Lotterie von Chancen und in einer Lotterie von Biografien.

00:56:57: Auch meine Biografie war zum Teil an verschiedenen Stellen an Lotterien.

00:57:02: oder wurde mit Lotterien entschieden.

00:57:04: Wenn ich einen Stipendium zu einer Zeit in meinem Leben nicht bekommen hätte, dann hätte ich vielleicht fünfmal überlegt, ob das Studium so was wirklich Wahres für mich ist und ob der eine oder andere mit seinem blöden Spruch, damit wirst du nur Taxifahrer, vielleicht Recht hat und ich mache doch was in Anführungszeichen Handfestes.

00:57:19: Aber eben ein solches Stipendium in einem solchen Moment, dann die Sicherheit gegeben hat, um weiterzumachen.

00:57:24: Ja, das ist nichts anderes rückblickend als eine Lotterie, weil in einem Kuttmoment jemand oder der Stern oder die Sterne richtig standen und man weitergemacht hat.

00:57:34: Aber so darf es nicht sein.

00:57:35: So sollte es nicht sein.

00:57:37: Ja, und in dieser Loterie können sich manche Menschen halt nicht nur einen los kaufen, sondern uns hellige Lose und ihre Chancen sind so, so viel größer.

00:57:49: Genau.

00:57:50: Also weg von der Loterie der Chancen und hin zu einer ehrlichen ausgestreckten Hand.

00:57:56: Für jede... Wir sind eine junge Person in diesem Land.

00:57:58: Das haben Menschen verdient.

00:58:00: Eine ehrliche ausgestreckte Hand und das ehrliche Angebot.

00:58:04: Wir kümmern uns um dich.

00:58:06: Du bist uns als Teil dieser Gesellschaft wichtig.

00:58:09: Ganz unabhängig davon, woher du kommst, wie du heisst und welche Augenfarbe du hast.

00:58:15: Hier ist dein und deine Zukunft.

00:58:17: Wir wollen alles daran setzen, dass du sie nach deinem Ermessen bestalten kannst.

00:58:21: So etwas würde ich mir wünschen, wenn ich an einem Tag in Berlin sitzen dürfte oder in Düsseldorf.

00:58:26: Das klingt wie eine nicht akademisierte Definition von Allyship für mich.

00:58:35: Ja, und meine Unterstützung dafür hättest du ganz, ganz sicher.

00:58:41: Ja, danke.

00:58:42: Danke.

00:58:42: Ja, und ich finde es super spannend zu hören, dass ihr zum Beispiel Themen wie Männlichkeit und so da schon direkt mitdenkt.

00:58:51: Ich arbeite mit einer anderen Zielgruppe an diesen Themen, aber zu hören, dass ihr sozusagen auch da mit Jugendlichen direkt, wo ja viele dieser Bilder so stark zementiert werden, gibt mir wiederum gerade ganz viel Hoffnung.

00:59:05: Und ich bin wahnsinnig froh, wie politisch wir heute geworden sind, weil ich glaube, LA-Ship im Idealfall ist höchstpolitisch und ist eine höchstpolitische Haltung.

00:59:18: die eigentlich jede Person in den unterschiedlichen Räumen, denen sie es einfordern oder auch erleben kann.

00:59:26: Und eben nicht nur, wenn es bequem ist und eben gerade für Menschen mit anderen Perspektiven und bei allen Dingen, die wir hier schwierig besprochen haben und die mir gerade extreme Sorgen machen und die mich auch extrem wütend machen.

00:59:43: Und manchmal auch hoffnungslos.

00:59:46: Wenn wir da ein paar mehr Menschen wären, die diese Haltung für sich auch so politisch definieren würden, dann könnten wir, glaube ich, an echt vielen Stellen in der Masse einen Unterschied machen.

00:59:58: Voll.

01:00:00: Vielleicht hat das damit was zu tun, dass die Tatsache, dass ich in Bochum geboren wurde und nicht in Kabul Politik war.

01:00:07: Und man sozusagen Politik qua Geburt oder qua weniger irgendwie immer schon im Leben als Begleiter.

01:00:15: Begleitung oder als Antwort von vielen Fragen hatte.

01:00:20: So ein großer, vielleicht ist das der Grund, warum das so ein großer Teil heute jetzt das Gesprächs war.

01:00:27: Aber genau diese Fragen sind für mich durch und durch politisch.

01:00:31: Und wir müssen sie auch aus dieser politischen Perspektive adressieren und angreifen.

01:00:37: Ja, ich kann mir gerade kaum bessere Schlusswort vorstellen.

01:00:42: Außer ihr habt das Gefühl, es ist noch was ungesagt.

01:00:46: Also, finde ich auch großartig und auch so die Perspektive, die wir heute nochmal auf das Thema gewonnen haben und auch auf das Thema Eli Schipp, das wir heute auch nochmal ein bisschen größer gedacht haben und auch nochmal aus anderen Blickwinkeln und andere Themen betreffend beleuchtet haben, fand ich das Gespräch jetzt wirklich großartig.

01:01:08: Ja, danke euch beide für die Einladung.

01:01:10: Gibt's

01:01:11: was, was du noch...

01:01:11: Ja, toll, dass du dabei gewesen bist.

01:01:13: ...sagen wird's Milad, ehe wir uns verabschieden.

01:01:16: Gibt's noch was von dir, was dir wichtig wäre?

01:01:19: Nee, im Grunde genommen haben wir ein Portfolio an Sachen besprochen.

01:01:21: Und ich glaube, wir waren auch ziemlich nah an den praktischen Sachen, die mich am Alltag beschäftigen.

01:01:27: Und ich glaube, wir haben ganz gute Brücken zur alltäglichen Arbeit und eben zu dem großen Thema geschlagen.

01:01:33: Insofern, ich bin happy und wenn ihr auch happy seid, dann, ja, hören wir das so, glaube ich, ganz gut abruhen.

01:01:40: Dann macht du noch einen Abschluss, Kai, den wir dann... für die echte Folge nehmen können.

01:01:48: Ja, ich, mir leid, ich finde.

01:01:51: deine Sicht auf die Dinge und auf die Welt und eben diese Themen finde ich immer total inspirierend und das hat mich super gefreut, dass du dabei gewesen bist.

01:02:02: Vielen, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

01:02:05: Danke euch beiden für die Einladung und danke, dass ihr dieses Thema in den Vordergrund rückt.

01:02:11: Danke auch von mir.

01:02:13: Hört weiter rein, abonniert unseren Podcast und bis zur nächsten Folge.

01:02:19: In Verbindung.

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